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Otto Isensee: Kriegsgefangenenlager Grjasovetz. Ein Tagebuch
05.01.2017, 22:39

Anatoli Sytschow: Dieser Auszug aus den Tagebüchern des deutschen Soldaten Lt. Otto Isensee ist eine Rohfassung zur Veröffentlichung auf dem Internetblog kriegsgefangen44.blogspot.de. Diese Version gibt die Inhalte des Blogs nicht vollständig oder in Abänderungen wieder. Transkription und Niederschrift sowie Blogpublizist der nachstehenden Inhalte: Götz Wiedenroth, Mühlenstraße 28, D-24937 Flensburg.

Tagebuch Grjasovetz

Auszug (März – November 1945)

Gefreiter Otto Isensee im Jahr 1940Sonntag, 5.3.45. In der Nacht sind wir gut vorwärts gekommen. Um 9.00 früh etwa, wir hatten gerade gefrühstückt, hieß es plötzlich aussteigen! Beer u. Rautenberg mußten mit dem Krankenwagen transportiert werden. Wir waren am Ziel! Viel Schnee lag draußen, das Wetter war aber wunderschön. Im losen Schnee stampften wir aus, die wir 4 Wochen keinen Schritt gemacht hatten! Es war eine große Anstrengung. 6 km müßten wir zurücklegen. Mit ungeheurer Spannung erwarteten wir natürlich das Stammlager von dem wir uns soviel versprochen.

Am Mittag kamen wir an, Im Gesicht sahen wir aus wie die Neger, die Zeit im Waggon hatten wir uns nicht waschen können. Im Lager wurde zum Xmal unser Gepäck durchsucht. Dann wurden Haare geschnitten u. dann entlaust u. gebadet, war das eine Wohltat! Dann kamen wir in die Quarantäne-Baracke. Um 23.00 bekamen wir noch Suppe, sie war tadellos.

Dienstag, 6.3.45. Mit der Verpflegung sind wir sehr zufrieden! Es gibt 400g Schwarzbrot u. 200g Weißbrot, 25g Butter. Gute Butter! 40g Zucker. Wir sind erstaunt! Mittags gibt es eine Suppe mit Fleisch u. hinterher einen Brei. Heute mittag Haferflocken. Beides schmeckte ausgezeichnet. Wir schlafen auf langen Pritschen, Strohsäcke haben wir noch nicht.

Mittwoch, 7.3.45. Schlafen tue ich gut. Es sind Wanzen da, aber die stören mich nicht. Um 6.00 ist Wecken, 6.20 gehen die Brotholer der einzelnen Gruppen, an 15 Minuten sind sie zurück. Anschließend wird geteilt. Mit selbstgebauten Waagen werden die Portionen abgewogen, das ist sehr wichtig. Mein Brot esse ich meistens gleich auf, großen Hunger habe ich immer. Heute gab es keine Butter ((?)), morgen soll es ((...?)) Margarine geben. Mittag gab es Kohlsuppe u. Erbsenpüree, letzteres war ausgezeichnet. "Freies Deutschland" hält polit. Vorträge. Gestern nachmittag war ein Vortrag "Vorgänge in der höheren Atmosphäre". Mit meinem Zahn war ich gestern zum Arzt. - Draußen ist noch ((...?)) u. Schneegestöber. - Kohl - Kartoffelsalat.

Donnerstag, 8.3.1945. Gestern nachmittag hatten wir ein wunderschönes Konzert. Staich ((?))-Trio spielte Werke von Beethoven, Mozart, Grieg usw. Die Tränen kamen mir dabei in die Augen, wenn man dann an das Schicksal unseres lieben Vaterlandes dachte. - Von amtlicher Seite wurde eine Erklärung ((...?)) "Freies Deutschland" abgegeben. Es wird ein erbitterter Kampf um Für und Wider im Lager ausgefochten. Wir wollen uns nun erstmal aufklären lassen über die ((?))ela. – Die Organisation im Lager, von Deutschen durchgeführt, ist hervorragend. Es klappt alles vorzüglich u. jeder bekommt sein Recht. Wb. Schb. ((vermutlich Abkürzungen für Weißbrot und Schwarzbrot, Götz Wiedenroth, hier und weiter - gw)), Fisch, 60g. Marg. ((Margarine, gw)) = Kohlsuppe, Haferbrei, Kartoffel -S. Zucker. Kaltes Winterwetter.

Freitag, 9.3.45. Das Wetter ist noch winterlich kalt u. Schneegestöber. Vom F.D. ((Freies Deutschland, gw)) war ein polit. Vortrag "Stalingrad". Es sprach ein Hpt. Domech ((?)). Erschütternd zu hören, wie die 6. Armee zugrunde ging, nur weil es einer nicht anders wollte. Heute nachmittag ist ein Vortrag über Vulkanismus. Es wird überhaupt sehr viel zur Unterhaltung u. Bildung getan. Es bestehen verschiedene Arbeitsgemeinschaften an denen wir in der Quarantäne aber noch nicht teilnehmen können. Gestern nachmittag war wieder Entlausung. Bei der Lauseuntersuchung, die 10 Tage((?)) lang stattfindet, waren bei 2 Auskündern ((?)) Läuse gefunden worden. WB, Schb, Butterschmalz 30g, Bauerns., Erbsen-Käse, Kohl-Kartoffelsalat.

Sonnabend, 10.3.45. Prachtvolles, kaltes, sonniges Winterwetter. Ich denke viel nach Hause. Der Krieg geht wohl seinem Ende entgegen. Milit. Nachrichten werden jeden Tag bekannt gegeben. Stalp u. Belgard sind gefallen, im Westen Köln. Gestern war ein naturw. Vortrag über den Mond. Gestern abend ein Abend deutscher Dichtung, ein Balladenabend. Ganz vorzüglich war letzterer. "Der Totspieler", "Die Kraniche des Ibykus", "Archibald Douglas" usw. wurden tief empfunden vorgetragen. Heute morgen sprach Obstabsarzt Dr Schöne vom 13.d.O. über ((...?))gsprobleme". Er sprach ganz ausgezeichnet. Hatte gute Ideen. Ich bin jetzt innerlich bereit, dem Bund beizutreten. Sein Vortrag war ein Lichtblick in unsere schwere Zukunft, die er allerdings nicht rosig malte. Gestern habe ich eine Nähnadel gegen 600g Schwarzbrot getauscht. Essen wie immer.

Sonntag, 11.3.45. Ein sonniger Wintertag ging in Schneetreiben über. Ich habe einen regelrechten Durchfall, wahrscheinlich zuviel Wasser getrunken. Die kulturelle Betreuung ist ausgezeichnet! Gestern war ein Vortrag über "Gebirgsbildung". - Ich hatte gestern Türposten, heute Reinigungsdienst. Gestern u. heute bin ich gut satt geworden. Die 600g Brot für die Nadel haben geholfen. - Nachmittag ist evgl. Gottesdienst u. um ... kathol. Messe. Der Gottesdienst hat mit nicht gefallen.

Montag, 12.3.45. Gleichbleibendes Winterwetter. - Mein Durchfall ist vorüber. Gestern abend begann ein Zyklus "Durch deutschen Wald u. deutsche Flur". Als erstes Thema "Hermann Löns". Ein ausgezeichneter Vortrag. Heute abend wird aus Werken von Löns gelesen. - Die ärztl. u. hygienische Betreuung ist einwandfrei. Gestern war Gesundheitsbesichtigung. Wer mager ist u. schlecht aussieht, kommt ins Lazarett zur Erholung. Jeder Tag ist ein obligat. Spaziergang angesetzt. Heute wurde die Baracke mit Chlor gespritzt.- Für einen Osterkuchen werden eben 2 Butterportionen, Weißbrot u. Zucker einbehalten. - Die milit. Meldungen lassen auf ein baldiges Kriegsende schließen! - Heute nachmittag war ein Vortrag über "Der Eid" von einem Pastor (Lt.) gehalten. Diese Aufklärung veranlaßt mich weiterhin dem B.d.O. beizutreten.

Dienstag, 13.3.45. Am 11.3. ist Hpt. Rautenberg hier im Lazarett gestorben. Er hat im Waggon Lungenentzündung bekommen. - Die Löns-Lesung gestern abend war sehr schön. - Ich habe wieder starken Durchfall gehabt heute nacht. Meine Schienbeine machen mir keine Beschwerden mehr. Ein Glück! - Die Tage fließen langsam dahin, ich denke viel an meine Lieben u. die geliebte Heimat, über die nun so furchtbares Elend kommt. - 15.30 brachte unser Trio Schatzkästlein eine lustige Stunde, da wir noch beim Essen war. Bri((...?)) - schwäbischer Humor war die Stunde betitelt. Chor u. Trio waren wieder ausgezeichnet. Meine Zehe ist fast heil, ich war beim Arzt heute. Abends gab es "Auf Hirsch- u. Gamsjagd im deutschen Hochgebirge". Mit viel Jägerlatein lustig ((...?)).

Mittwoch, 14.3.45. Draußen ist Föhnstimmung, im Vorraum taut es. Der Frühling ist sicher aber noch weit. Ich habe gut geschlafen. Gestern abend hatte ich einen Nachschlag in Erbsensuppe, ausgezeichnet. In der Baracke toben nachts viel Ratten. Ich habe einen kleinen Schnupfen. Vormittag ein Vortrag "Staatsformen", er brachte nicht viel Neues! - Ich nähe Beutel u. Beutelchen für meine Sachen. Heute gab es Seife u. 100g Tabak. Es ist tadellose Toiletten-Seife. Immer wenn ich dieses Buch ausfülle, beschaue ich hinterher täglich meine Aufnahme((n)) von zu Hause, die mir Gott sei Dank geblieben sind. Dadurch bleibt in mir alles so lebendig. Was mag unsere Mutter u. unsere Mutti wohl denken? - Nachmittag hatten wir einen Vortrag in der Reihe "Durch deutschen Wald u. deutsche Flur". "Jagderlebnisse im deutschen Mittelgebirge" (Westerwald, Taunus, Hunsrück). Er war ausgezeichet.

Donnerstag, 15.3.45. Das Tauwetter hat den ganzen Tag gestern angehalten. Man atmet auf! Heute morgen steigt ein herrlicher Sonnentag herauf, wir haben nur leichten Frost. Ich habe Freiübungen gemacht heute morgen.

Nachmittag hatten wir nochmal einen Vortrag "Jagderlebnisse" ganz interessant. Abends war ein ((?...)it Vortrag über das Manifest des B.d.O.. Ich werde in den nächsten Tagen eintreten. Gestern war noch den ganzen Tag Tauwetter. - Wir befinden uns 460 km nordostw. Moskaus, 360 km von Leningrad an der Bahnstrecke Moskau-Leningrad. Wie das Nest heißt, weiß ich nicht.

Freitag, 16.3.45. Heute vor 9 Jahren habe ich in Kiel Examen gemacht. ((Es war ein Examen für das Lehramt an Schulen, gw)). Ja, das waren noch "Hochzeiten". Geschlafen habe ich noch gut diese Nacht. - Für den Osterkuchen werden 180g Butter, 120g Zucker u. 600g Brot einbehalten. Gestern haben wir Pritschen gesäubert, da kamen Wanzen zum Vorschein! Gestern war ein Vortrag "Rassenkunde, Vererbungslehre u. nationals. Weltanschauung". Ich habe heute meine Wickelgamaschen fertig gemacht. Sie wärmen prima. Heute hat die 8. Gr. Barackenwache. Der Vortrag abends "Deutsche Landschaftsbilder war sehr interessant. Es hat wieder leichten Frost gegeben. Die Qualität des Essens ist sehr gut, die Quantität läßt zu wünschen übrig. Ich habe den ganzen Tag Hunger.

Sonnabend, 17.3.45. Schneegestöber von feuchtem Schnee empfing mich heute draußen. Nachmittag hörte es auf, es scheint wieder Tauwetter zu geben. - Die Baracke 9 ((Folge von Stenozeichen)) geheizt, ((Folge von Stenozeichen)) Tag im Pullover. Als Abschluß unseres Zyklus folgt heute abend noch eine Löns-Lesung. Ich trage mich mit dem Gedanken, in der Flachsfabrik als Schlosser zu arbeiten. Es gibt außer außer unserer Verpflegung dort eine Suppe u. 200g Schwarzbrot. Ich muß aber erst BdO-Mitglied werden. - Sonnabendnachmittag, wie schön wäre es da zu Hause!

Sonntag, 18.3.45. Es ist ziemlich kalt draußen. Die 2. u. letzte Butterportion wurde abgezogen für den Osterstollen. Die Fischsuppe heute mittag war tadellos, auch der Haferbrei. Vormittag Spaziergang, nachmittag 1/2 St. Schnee geschaufelt. Ich lese eben den Faust, von einem Kameraden geliehen! Abends ein sehr interessanter Vortrag: "Tschangkaitschek baut einen neuen Staat", gehalten von einem Herrn der Ostasien-Abt. des Ausw. Amtes.

Montag, 19.3.45. Es ist gleich kaltes Wetter. Von 7.00 - 9.00 Kartoffeln geschält. 38 Mann unserer Baracke sind immer daran beteiligt. Es ist sehr kalt dabei im Raum. Der Zyklus der Woche lautet: "Querschnitt durch deutsches Kulturschaffen". Er verspricht sehr gut zu werden. Ich war beim Zahnarzt. Die Plombe ist noch längst nicht raus. Er konnte nicht bohren, da das Handstück nicht in Ordnung ist. Ich habe es mir angesehen, vielleicht kann ich es reparieren. Nach Beendigung der Quarantäne will er mit mir zur Werkstatt gehen, (Der Tagebuchverfasser hatte zu Beginn seines Berufslebens bei der Firma Wilhelm Richter in Hannover eine Ausbildung zum Feinmechaniker mit abschließender Gesellenprüfung absolviert. Diese Firma stellte zahnärztliche Instrumente her, gw)) Da gehe ich vorläufig nicht zur Flachsfabrik. Der Vortrag "J.S.Bach" war sehr schön, man spürte den Musiker im Vortragenden. - Heute vor 9 Jahren war unsere standesamtliche Trauung!

Dienstag, 20.3.45. Gleiches kaltes Winterwetter. Wir sehnen uns so nach ((...?)) u. Wärme. - Unser Butterschmalz schlagen wir immer, es wird fest wie Schlagsahne. Nachmittag hatten wir wieder das Schatzkästlein! Ganz ausgezeichnet! Mozart, Weber, Weinheber, Hebbel, Schubert, C.F. Maier, Münchhausen, Hölderlin. - Es war ein Genuß! Gedichte, Chor, T((...?)).- Von 22-24.00 hatte ich Wache.

Mittwoch, 21.3.45. Neues Schneetreiben hat eingesetzt. Es ist aber wärmer geworden. Heute habe ich Essenholer-Dienst. - Gestern hab((...?)) die Rede Weinerts, Präsident des N.K. bei der Gründung desselben gehalten. - Es ist Tauwetter übertag. - Heute sind 6 100g Schwarzbrot einbehalten. - Osterstollen getauscht . - 50g Tabak = 300g Brot, 30g Fett = 200g Schwarzbrot, 3 Zuckerportionen = 400g Brot - Der Abendvortrag "Die Werke J.S. Bach" war wieder sehr schön.

Donnerstag, 22.3.45. Es wird Tauwetter aber wie lange? - Ich habe 30g Butter gegen 300g Schwarzbrot u. 200g Weißbrot gegen 300g Schwarzbrot getauscht. - Um 9.30 mußte ich mit anderen 200 Herren zum Schneeschippen! Viel zu schippen war nichts, aber 18km Weg waren zurückzulegen, der machte müde. Abends hatten wir dann Mittag- u. Abendessen zugl.. Die Kohlsuppe war sehr dick mit viel Fisch! - Abends ein Vortrag: "Querschnitt durch ein deutsches Verlagswesen." Es handelte sich um den Verlag Herder, Freiburg. Sehr interessant. Zum Verlag Herder gehören noch Karl Alber Verlag u. Christopherus-Verlag.

Freitag, 23.3.45. Sehr gut geschlafen. Trotzdem ich gestern viel getrunken habe, bin ich nur 1 mal draußen gewesen. Beim Schneeschaufeln habe ich für 3 Rubel Milch getrunken, das war ein Genuß - Das Tauwetter von gestern ist wieder in kaltes Frostwetter umgeschlagen. - Ich hatte Wasserhol-Kdo. heute. Wir haben nur 1 mal geholt. Abends wurde Th. Storms "Immensee" gelesen, die Novelle erfreut immer wieder von neuem.

Sonnabend, 24.5.45. Prachtvolles Winterwetter. In der ((...?)) ist es warm, sonst sind auch nur wenige Kältegrade. Heute vor einem Jahr fuhr ich von Schönewörde ab. ((Schönewörde, Landkreis Gifhorn, Deutschland, war bis 1949 der Heimatort/ Wohnsitz des Tagebuchverfassers, gw)) Ob unsere Mutti auch dran denkt? Wir waren damals so siegesgewiß u. glaubten, was kann auf dem Balkan schon viel passieren .... . Es hat in der Sonne stark getaut, es war schön warm in der Sonne. Einen 1stündigen Spaziergang gemacht. Mittag hatte ich einen prima Nachschlag, das ganze Kochgeschirr voll, ge((...?)) Kasch-Nachschlag. Heute gab es 10 Rubel Löhnung. Der Abendvortrag "Bildungssysteme des Mittelalters" war sehr interessant.

Sonntag, 25.3.45. Kaltes Schneegestöber über Nacht hat große Verwehungen angerichtet. Heute morgen taut es stark auch ohne Sonnenschein. Es tropft von allen Dächern. Ich war zum Kartoffelnschälen. - Lagerkontrolle durch russ. Offz. - Ich rauche ab ab u. zu schon mal ein Pfeifchen. Tabak haben wir in rauhen Mengen. Am 21.3. gab es wieder 200g. Der Zyklus der Woche heißt: "Die Familie im Spiegel des deutschen Geistes." - Nach den milit. Meldungen ((Folge von Stenozeichen)) Mai wohl zu Ende. ((Folge von Stenozeichen)) Blutvergießen ((Folge von Stenozeichen))! Der Abendvortrag "Die Familie im Wandel der Zeiten" war sehr gut.

Montag 26.3.45. Über Nacht leichter Frost, heute früh viel Schneefall, es taut aber dabei. Nachmittag waren wir zur Delegation geladen zu einer Aussprache. Ich habe mich nun zum Eintritt entschlossen ((gemeint ist der B.d.O., siehe vorangegangene Einträge, gw)). Der Nachmittagsvortrag im Rahmen des Zyklus: "Internatserziehung als Hilfe der Familienerziehung", dargestellt am Herrnhuter-Internat Nißki bei Görlitz, war ausgezeichnet. - Ich lese eben Heinrich Heine. Zum Teil tolle Dinger!

Dienstag, 27.3.45. Es ist wieder ziemlich kalt geworden. In der Sonne taut es aber tagsüber. Ein kalter Nordwind läßt aber keine Frühlingsstimmung aufkommen, ebenso der viele Schnee. - Vormittag Kartoffeln geschält. - Heute wurde die 3. u. letzte Zuckerportion u. die vorletzte Brotportion einbehalten.

Montag, 25.6.45. Es gab Rüben ((?)) zum Frühstück. Mittag gab es Bratkartoffeln u. Gulasch; von einem Kameraden bekam ich eine h((...?)) Lagersuppe - heute war ich mit G.Ritter zum ersten Male draußen. Es war wunderschön draußen, nachdem es volle 8 Tage geregnet hatte und kalt war. - Heute nachmittag gab es Milch, heute ((...?)) m. Fischzusatz. Sehr gut!

Dienstag, 26.6.45. Orangen, Graupen mit Buletten ((?)) und Soße, Nudeln, Milchsuppe, Grießbrei. Ich habe in der Sonne gesessen, es ist herrliches Wetter. - Meine Hüftwunde ist heil, die rechte Armwunde ist nicht ((...?)) nicht heil.- Der Russe entläßt 13 Jahrgänge aus seiner Armee.

Mittwoch, 27.6.45. Graupen, Reis und Bratenstück, Milch, sehr dicker Hirsebrei. - Ich habe Zahnschmerzen. Ein linker oberer Backenzahn ist schlecht. - Es war kalt heute, ich war darum nicht unten. G. Ritter habe ich 100g Tabak für 400g Brot gegeben. - Mein Durchfall ist hoffentlich überwunden. 24 Std. war ich jetzt nicht zum Klo. Parolen gibt es keine. Uns interessiert ((...?)): wann kommen wir nach Hause?

Donnerstag, 28.6.45. Heute bin ich 12 Wochen im Lazarett! Es geht mir gut. nur sehr schlapp bin ich noch. - Grießbrei, Graupen m. Frikadelle, Grießbrei ((?)) aus Milch, Orangen m. Fischgulasch. Alles ausgezeichnet. - Wie mag es den Lieben zuhause gehen? Wir ((...?)) , uns interessiert nur, was ((...?)) betrifft.

Freitag, 29.6.45. Hirsebrei, Reis m. Gulasch, Milch, Graupen. Das Wetter ist ((...?)). Ich war aber trotzdem mal draußen. Um 18.00 war wieder Konzert.

Sonnabend, 30.6.45. Ich fühle mich sehr wohl, das Treppensteigen geht auch schon besser. Die Hüftwunde ist wieder etwas aufgekommen.. Die Wunde am rechten Arm ist noch längst nicht heil. Ich habe dieser Tage gelesen: Tschkalow, Unser Transpolarflug; Lenin, Die Lehren der Revolution, Die Revolution von 1905, Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus; Marx-Engels, Über das reaktionäre Preußentum. Briefwechsel dito. - Hirsebrei, Hirse m. Gulasch u. Soße (sehr gut), Milchreis, Graupen u. Fischgulasch. Das Wetter ist trübe.

Sonntag, 1.7.45. Hirsebrei, Reis m. Frikadelle u. Soße. Milch, Grau ((...?)). Heute ist BdO-Versammlung, da wird es viele neue Parolen geben. Der General Schörner soll in Krachledernen im Lager 20 bei Moskau sein. Es regnet den ganzen Tag.

Montag, 2.7.45. Hirsebrei, Hirsebrei m. Gulasch u. Soße, Grieß-Milchsuppe, Graupen m. Fischragou. Ausgezeichnet. - Ich habe 200g Tabak gegen 1200g Brot getauscht. Das Wetter gibt sich etwas gebessert, ich war mal unten. Ich spiele abends oft mit Ritter u. noch 2 Insassen "Mensch ärgere dich nicht" - Gestern bei der BdO-Versammlung ist verkündet, daß wir wohl dieses Jahr noch nach Hause kommen. - Wir liegen hier sehr günstig für den Abtransport. Von Wolokta ((richtig: Wologda, gw)) geht ein Kanal nach Leningrad. - Ja, nach Hause!! Was haben wir Sehnsucht danach. Nördlich Braunschweig sollen Kämpfe ((?)) gewesen sein. Wie mag es zu Hause aussehen?

Dienstag, 3.7.45. Sehr warm war es heute, der Himmel war nachmittag nur wenig bewölkt. - Reis Nudeln u. Fischfrikadelle, Milch Nudeln.

Dienstag, 3.7. 45 Lindow ist gestern entlassen. Ich bin viel draußen gewesen u. heute abend ziemlich schlapp. Für 1 Port. Zucker habe ich 200g Brot eingetauscht, heute. 600g habe ich noch vom Tabak ((...?)). Ich bin richtig satt heute abend.

Mittwoch, 4.7.45. Hirsebrei, Graupen m. Fischgulasch, Grießmehlsuppe, Graupen u. einen halben Hering. - Das Wetter war schön, ich war lange unten. Schlapp bin ich noch, sonst geht es mir gut. Wie mag es zu Hause aussehen? Nördlich Braunschweig sollen Kämpfe gewesen sein. ((Neuerliche Erwähnung dieser vermeintlichen Kämpfe, sie sind bereits unter dem 2.7.45 vom Tagebuchverfasser erwähnt worden, gw)).

Donnerstag, 5.7.45. Ich gehe schon 8 Tage runter zum Waschen. Um 6.00 gehe ich schon immer, dann lege ich mich noch mal schlafen. Zwischen 8.00 und 9.00 kommt das Frühstück. 200g Weißbrot, 20g Butter. Heute habe ich ein Ei. Es kostet eine Zuckerportion. Es ist sehr schönes heißes Wetter heute. Viel unten gewesen. - Graupen, Hirsebrei und Fischfilet. Nudelmilchsuppe, Reisbrei. In der Zeitung steht der Aufruf der kommunist. Partei Deutschlands. Ganz ordentlich.

Freitag, 6.7.45. Jeden Tag sehe ich mir meine unbezahlbaren Photos an. Habe ich doch so meine Lieben wesentlich näher. Heute morgen habe ich sie besonders liebevoll betrachtet. - An ein Fortkommen in diesem Jahre glaube ich auf keinen Fall. Wann werden wir die Heimat wiedersehen? Ein wunderschönes Wetter heute. Es gehen täglich Kommandos nach draußen. Es sind unter 2000 hier im Lager. - Hirsebrei (gut) Graupen, Soße, Fischboulette, Grießsuppe m. Nachschlag, Graupen m. Fischgulasch.

Sonnabend, 7.7.45. Es ist herrliches Wetter. Sehr warm! Zu Hause wären jetzt große Ferien. Ja, zu Hause - wie mag es dort aussehen. Heute war große Visite mit Kapitänarzt u. Kapitanka. Es werden sehr viel entlassen ((aus dem Lazarett, gw)). Ob ich schon dabei bin, weiß ich nicht. Gestern 100g Tabak gegen 600g Brot getauscht, ebenso eine Zuckerportion gegen 200g Brot. - Reisbrei, Hirsebrei mit Bratfisch, Milch, Graupen.

Sonntag, 8.7.45. Es wird ein herrlicher Sonnenscheintag. Wären wir zu Hause! Ich habe sehnsuchtsvoll meine Fotos betrachtet. Es hat 150g Tabak gegeben. - Hirsebrei, Graupen m. Gulasch, Grießmilchsuppe, Graupen m. Fischgulasch. Pastor Ohler hat Andacht gehalten. Sehr gut! Keine großen Neuigkeiten.

Montag, 9.7.45. Montag u. Donnerstag ist Verbandsstunde, also heute wieder. Meine Hüftwunde ist zu, die Wunde am rechten Arm ziemlich heil, muß aber noch verbunden werden. - Um 6.00 früh donnerte es heute morgen schon. - Um 16.30 war totale Sonnenfinsternis hier. Leider war es stark bewölkt, so daß wir den Vorgang selbst nicht beobachten konnten, es wurde nur sehr dunkel. - Morgen oder übermorgen werde ich entlassen. Es wird in der OK-Baracke schon gehen. - Reisbrei, Graupen m. Soße u. Frikadelle, Milch.

Dienstag, 10.7.45. Hirsebrei, grüner Salat, Graupen m. Fleischstück (sehr gut). Milchsuppe (Hirse), Graupen. Wolkenloses Wetter, nicht zu warm. Sonst keine Neuigkeiten. Aus Briefwechsel Marx-Engels schrieb ich engl. Vokabeln ab.

Mittwoch, 11.7.45. Ich hätte gestern entlassen werden sollen, mal sehen, wann es nun angeht. Gestern hörte ich von einem Herrn Gorschmann ((?)), Keksfabrikant aus Schneverdingen ((vermutlich Lüneburger Heide, gw)), daß ein Major Busch aus der Nähe von Knesebeck ((Ein Ort in der Nähe von Schönewörde, heutiges Niedersachsen, Deutschland, dem Heimatort des Tagebuchverfassers zur Zeit dieser Niederschrift, gw)) hier im Lager sei. Ich muß nun feststellen, ob es Busch aus Vorhop ((?)) ist. - Hirsebrei, Graupen m. Fischgulasch, Milch, Grießbrei. Busch habe ich nicht getroffen heute. Ich hätte gestern entlassen werden sollen. Parole: Im August sollen die ersten Transporte nach Hause gehen.

Donnerstag, 12.7.45. Busch aus Vorhop ist hier. Heute habe ich mit ihm gesprochen. Er ist schon im Juli 1944 bei Dünaburg in Gefangenschaft gekommen. Außerdem traf ich heute den Herrn Kandler, wir waren zusammen in Hannover auf der Waffenschule. Er hatte aber keine Zeit zu längerer Unterhaltung. - Hirsebrei, Reis m. Gulasch u. Soße, gr. S((?))t, Hirse, Milchs., Graupen. - Wetter ist sehr schön.

Freitag, 13.7.45. Es gehen sehr viel ((Stenozeichen)) heraus. Alles wird zur Arbeit eingesetzt. An Nachrichten gibt es eben nichts Neues. Wir warten auf die Zusammenkunft Churchill-Trumann-Stalin. Da muß die Gefangenenfrage ja angeschnitten werden. In Amerika scheint neuer Kurs zu kommen. Morgentau, Hopkins, Stettinus sind ausgebotet. Trumann ist am 7.7.45 aus ((?))york abgefahren. - Haferbrei, Graupen, Gulasch u. Soße. Grießmilchsuppe, Graupen mit Fischgulasch. Ein sehr guter Speisezettel heute. - Das Wetter sonnig aber kühler.

Sonnabend, 14.7.45. Reis, Hirse m. Gulasch u. Soße, Milch, Hirsebrei. Sonniges, kühles Wetter. Morgen soll Trumann in Antwerpen ankommen. - Keine neuen Parolen. - Eduard Spranger ist Vorsitzender eines Kultursenates((?)). - Ich gehe sehr viel raus u. trainiere Beine u. Füße.

Sonntag, 15.7.45. Ein schöner Sonntag morgen. O wären wir wir ((sic)) zu Hause. Wir setzen große Hoffnungen auf die Zusammenkunft der Drei. - Graupen, Graupen m. Soße u. Braten! Hirse-Milchsuppe Haferbrot. Morgen werde ich wohl entlassen werden ((aus dem Lazarett, gw)). - Busch habe ich noch nicht wieder gesprochen. Heute habe ich von Herrn Horstmann engl. Vokabeln abgeschrieben, die pauke ich jetzt.

Montag, 16.7.45. Es ist warmes wolkiges Wetter. Da bin ich heute doch noch nicht entlassen! Meine Armwunde ist fast zu. - Hirsebrei, Graupen m. Soße u. Bulette, ganz ausgezeichnet. Grieß-Milchsuppe, Hirsebrei m. Fischgulasch, davon hatte ich einen Nachschlag! Ein ausgezeichneter Tag heute. - Die 3 Großen sollen in Berlin-Köpenick, Wendenschloß zusammenkommen.

Dienstag, 17.7.45. Ich habe von einem Herrn Gedichte abgeschrieben u. lerne sie nun auswendig. (Storm, Goethe, Mörike, Eichendorff). Auch engl. Vokabeln lerne ich fleißig. Ob ich heute wohl entlassen werde? Nein es geht noch nicht an.- Hirsebrei, Graupen m. Fischbulette u. Soße. Milch, Reisbrei. - Bis zur Oder soll deutsches Gebiet an Polen abgetreten werden!

Mittwoch, 18.7.45. Der Himmel ist stark bewölkt. Die Sonne ((Stenozeichen)). Mit welcher Sehnsucht denkt man ((Stenozeichen))! Jeden Morgen sehe ich meine Bilder ((Stenozeichen)) ((gemeint sind wohl private Fotos von zuhause, gw)). Ich habe heute meine 600g Brot + 100g Tabak bekommen. Nun tausche ich seit gestern Zuckerration gegen 200g Brot. Heute habe ich außerdem ((...?)) für meine Butterportion eingetauscht. Heute 2 H((...?))stücke ((Stenozeichen)). 2 Graupen m. Bratfischschläge ((?)) - Hirsebrei. (sehr dick). Graupen m. Bratfisch. Hirsemilchsuppe. Graupen brutal. (Ich hatte noch eine 2. Portion).

Donnerstag, 19.7.45. Heute sind wir 9 Monate in Gefangenschaft. Meine Armwunde ist heil, ist heute nicht mehr verbunden. Ich lerne fleißig Gedichte u. engl. Vokabeln. Lese Zola, Germinal. Ob ich heute entlassen werde? ((gemeint ist: aus dem Lazarett, gw)). Graupen. Graupen m. Gulasch (reichlich). Milch. Grießbrei. Ich hatte einen Gulaschnachschlag. Keine Neuigkeiten.

Freitag, 20.7.45. Sonniges, warmes Wetter. - Hirsebrei. Reis, Bulette u. Soße, Milch. Graupen brutal. Keine Neuigkeiten, keine Parolen. Wir warten auf den Abschluß der Konferenz der Großen Drei ((gemeint ist die Konferenz von Potsdam-Cecilienhof, die vom 17.7. bis zum 2.8.45 dauerte, gw)). Morgen rechne ich bestimmt mit meiner Entlassung ((gemeint ist: aus dem Lazarett, gw)).

Sonnabend, 21.7.45. Schönes, heißes Wetter. Ich bin immer noch im Lazarett! Gottfried Richter ist heute entlassen. ((ein Kamerad, mit dem der Tagebuchverfasser ausweislich früherer Einträge im Lazarett wohl viel Zeit verbracht hat. Nach Auskunft des Sohnes des Tagebuchverfassers hat dieser mit Gottfried Richter auch dann noch Kontakt unterhalten, nachdem beide längst in die deutsche Heimat zurückgekehrt waren, gw)) Vor dem Hause hier sind anheimelnde Blumenbeete angelegt, Fuchsschwanz, Mohn u. Goldlack sind gepflanzt. Jahrgang 05 u. älter soll demnächst heimbefördert werden ((Der Tagebuchverfasser war Jahrgang 1908; ihn betraf diese Information also nicht, gw)). - Hirsebrei, Gulasch m. Soße u. Graupen; Hirsemilchsuppe. Graupen m. Soße u. Bratfisch. (Sehr gut).

Sonntag, 22.7.45. Kühles, trübes, windiges Wetter. Es gab einen tüchtigen Platzregen. - Major Busch habe ich einige Male vorbeischleichen sehen, er schaut gar nicht hoch. - Ich bin ins Bett am Fenster gezogen. - Hirsebrei, Graupen m. Gulasch u. Soße. Milch. Graupen brutal. Eine Portion Graupen, 1/2 Brotportion ((?)) 1 Suppennachschlag u. 1 geschenkten Suppennachschl. zusätzlich heute.

Montag, 23.7.45. Der Himmel ist bedeckt. Heute werde ich entlassen! Am 26.7. wären es 16 Wochen gewesen, daß ich hier liege. ((Im Tagebucheintrag vom 26.6.45 hatte der Verfasser hingegen notiert, daß er am 5.4.45 mit hohem Fieber, Lungenentzündung, ins Lazarett eingeliefert worden sei, gw)). Die Verpflegung wird draußen erheblich schlechter. - Vor allem weil die Nachschläge von den Kameraden wegfallen, sonst wird es mengenmäßig nicht viel ausmachen. Ich komme zunächst in die OK-Baracke. Wie lange ich drin bleibe, weiß ich noch nicht. OK liegt in Baracke 3, es ist dieselbe, aus der ich um Ostern ins Lazarett ging. Ritter, Othmer, Baer, Greve u. alle anderen Bekannte sind noch drin. Um 6.30 ist Wecken, dann Freiübungen ((gemeint sind gymnastische Übungen, die der Tagebuchverfasser übrigens bis ins hohe Alter betrieben hat, gw)), 8.00 Frühstück, 9.00 Milch, einen Becher voll. 13.00 Essen, 19.00 Abendessen. Aber Wanzen sind hier, ganz unheimlich! Wie ein Ameisenhaufen krabbelte mein Kopfkissen. Graupen, Graupen m. Soße u. Bulette, Grießmilchsuppe, Graupen m. Fischgulasch. Das war ((Stenozeichen)) Laz. Essen ((wohl: Lazarett-Essen, gw)).

Dienstag, 24.7.45. Es regnete heute viel, das Gehen fällt mir noch schwer. Ich habe mir heute einen Vortrag über Bauwesen angehört, ganz interessant. Mit mit ((sic)) dem Essen kam ich ganz gut hin. - Trotz der Kürze der Jahreszeit - am 1. Juni ging der letzte Schnee weg - kommt die Vegetation zu ihrem Recht. Das macht aber die Länge der Tage. Es ((Stenozeichen)). Sonnenuntergang u. -aufgang liegen nahe ((Stenozeichen)).

Mittwoch, 25.7.45. Es regnete ((Stenozeichen)). Lagestr. (vermutlich Lagerstraße, gw)) ((Stenozeichen)). Heute ((Stenozeichen, enthaltend vermutlich das Wort "Vortrag", gw)) Vermessungswesen ((Stenozeichen)). Nachmittags Lesung Puschkin "Der Schuß" u. "Schneest" ((wohl "Der Schneesturm", gw)).

Donnerstag, 26.7.45. Das Wetter ist immer noch schlecht. Trüb u. regnerisch. Ich treibe englisch u. lerne Gedichte. - Zeitungsschau vom 12.-22.7.45 gehört. Die Welt glaubt nicht an Hitlers Tod. Er soll sich auf einem deutschen Gut in Patagonien befinden. Über unser Schicksal gehen eben nicht einmal Parolen um. Am 23.7. sind etwa 200 neue Gefangene gekommen. Aus Luz((...?)) u. anderen Lagern. Es sind verschiedene Amputierte dabei. Ein Herr Rinke aus Wittingen ist dabei ((Wittingen ist eine Stadt ca. 10 km von Schönewörde, Kreis Gifhorn, Deutschland, dem Heimatort des Tagebuchverfassers zur Zeit dieser Niederschrift, gw)). Wir wollen uns nach ihrer Quarantäne mal treffen.

Freitag, 27.7.45. Das Wetter war angenehmer. Ich hatte 2 Suppenschläge einen von Herrn Othmer, der eine Essenmarke hatte. Er nahm den Fisch (?), ich die Suppe. Ich ((...?)) neben ihm gestern abend mit Kandler gesprochen. Er ist schon im März 44 gefangen worden. Busch liegt in der Baracke 4 nebenan, er läßt sich gar nicht blicken. Ich tausche ab u. zu nochmal Zucker gegen 200g Brot im Lazarett. - Essen ist ganz gut hier nur mehr müßte es sein. Morgens 200g Weißbrot, 400g Schwarzbrot, 1 Becher Milch. 1300-1400 Essen, Graupensuppe mit Fisch oder Fleisch. Abends Milchsuppe mit Fisch oder Fleisch. Heute ist wieder ein Kdo. von 50 Mann rausgegangen. Obstlt. ((Oberstleutnant, gw)) Franke führt es ((vermutlich zum Arbeitseinsatz, gw)). Ich gehe viel barfuß.

Sonnabend, 28.7.45. Das Wetter ist trübe u. kalt. Gestern war ich beim Zahnarzt. Er findet keinen schlechten Zahn, es sollen nur Nerven sein. Das komme nach schweren Krankheiten häufiger vor. Wir haben abends schon Verpflegung empfangen.

Sonntag, 29.7.45. Das Wetter klarte auf. Es geht wieder ein Kdo. raus. Um 4.30 heute früh war schon Wecken in unserer Baracke. Mit Ritter einen Spazierg. durchs Lager gemacht. Ich bin noch sehr schlapp. Mittags u. abends tue ich immer wieder ((?)) Melde u. Beifuß in die Suppe. Sehr viel! Es schmeckt mir gut. Zu Hause füttern wir die Schweine mit der Melde.

Montag, 30.7.45. Saumäßiges Wetter! Ich habe Zitate aus Don Karlos gelernt. Gestern abend hatte ich schon, da es gestern abend schon Verpflegung für heute gab, einen Teil meines Brotes aufgegessen. Bin aber ganz gut über den Tag gekommen. Meine Milch lasse ich heute mal dick werden. Milchsuppe, Grütz((...?)), Bau((...?))suppe.

Dienstag, 31.7.45. Das Wetter hat aufgeklart. Es ist aber noch kühl. Gestern war große ärztl. Untersuchung vom russ. Arzt. Ich bin vorläufig noch von jegl. ((?)) Arbeit befreit. In den Beinen bin ich noch sehr schlapp. - Ich ziehe mir meinen leeren N((...??))sack ((Stenozeichen)) Wanzen wegen.

Mittwoch, 1.8.45. In der Nacht hat es geregnet, den Tag ((Stenozeichen)). Nachmittag habe ich 1/2 Std. mit Busch geklönt. Die Suppen sind eben ziemlich dünn. Aus Abfallflachs Bindfaden drehen habe ich heute von Othmer gelernt. Sonst nichts Neues. Ein Herr aus der neuen Quarantäne hat erzählt, daß in der Umgebung von Uelzen schwere Kämpfe gewesen sind. 225g Tabak gab es heute.

Donnerstag, 2.8.45. Sonniges warmes Wetter. Ich habe tüchtig engl. getrieben heute. In meine Suppe habe ich heute Beifuß, Ackerhellerkraut, Melde u. Schafgarbe getan. Es schmeckte vorzüglich. Ich habe 200g Tabak gegen 1000g Brot getauscht. - Morgen wird die O.K-Baracke z.T. geräumt. Herren kommen zu anderen Kg. ((vermutlich: Kriegsgefangenen, gw)). Auch Herr Othmer. Leider!

Freitag, 3.8.45. Nachmittag ((Stenozeichen)). Dann will ((Stenozeichen)) Wäsche machen heute

Fortsetzung Dienstag, 3.8.45. ((Stenozeichen)) sind etwa 30 Herren ausgezogen zur 19. Kp. ((?)), Baracke 4 nebenan. - Ich esse sehr viel Grünes an meinen Suppen. Schafgarbe, Beifuß, Melde in großen Mengen. - G. Ritter ist zu mir heraufgezogen an Othmers Platz. - Heute war mal ein Tag, an dem ich keinen Hunger hatte. - Ich habe mein Tabak-Brot verzehrt ((gemeint ist das für Tabak eingetauschte Brot, gw)). Heute abend bekomme ich die letzten 200g.

Sonnabend, 4.8.45. Sonnenklar u. warm war es heute. Um 8.00 bin ich schon zum Wäschewaschen gegangen. Mein Tropen- und Netzhemd habe ich gewaschen. Beide sind schön sauber geworden. Nachmittag habe ich im Birkenwäldchen gelegen u. engl. Vokabeln gelernt.

Sonntag, 5.8.45. Das Ergebnis der Besprechung der großen Drei hat uns sehr erschüttert!!! So etwas ist doch kaum möglich. Die Oder die Ostgrenze! - Es hat ab mittag stark gewittert, ein furchtbarer Matsch ist. - Seit Tagen haben wir kein Weißbrot, in den nächsten Tagen soll es 6 gr ((?)) geben. ((Stenotext)) entzwei. - 3 Mann sind von hier ausgerissen. - Heute habe ich ((Stenotext)) Anzahl ((Stenozeichen)) Gedichte aufgeschrieben. - Um 4.00 ((Stenotext)) wegen des einen Ausreißers!

Montag, 6.8.45. Der deutsche Lager-Kdt. Kriegsgerichtsrat Schumann hielt gestern abend eine Rede wegen der Ausreißer. Heute haben wir wieder ((Stenozeichen)). Ich ((Stenozeichen)) engl. Vokabeln. Das Berliner Kommunique wurde heute bekannt. - Ich esse meine 600g Brot morgens gleich auf, sonst führe ich den ganzen Tag einen Kampf gegen die Versuchung es aufzuessen.

Dienstag, 7.8.45. Heute hat unsere Mutti Geburtstag! Wie mag sie gefeiert haben? Hat sie überhaupt gefeiert? Wie schön wäre es gewesen, wenn ich zu Hause gewesen wäre. Nur 3 mal habe ich mit ihr Geburtstag gefeiert! 1936, 37 u. 38. Auch Busch hatte heute Geburtstag. Er hat mich eingeladen, hatte einen "Kuchen" aus Brot gebacken u. hatte Tee. Es war sehr nett. Hptm. ((Hauptmann, gw)) Thim ist heute morgen von einem Posten erschossen worden. Der deutsche Lagerkdt. Kriegsgerichtsrat Schumann fragte mich heute, ob ich schon fähig wäre, in der Küche zu arbeiten! Ich habe zugesagt, da kann ich mich mal stärken.

Mittwoch, 8.8.45. Bewölktes Wetter. Ich kann nicht in die Küche. Die Arbeit ist zu anstrengend für mich als OK minus ((OK = ohne Kommando, gw)). 16 Std. am Tage arbeiten u. dann nicht leicht. Sonst gibt es nichts Neues.

Donnerstag 9.8.45. Trübes Wetter, es nieselt ab u. zu. Ärztl. Untersuchung ((Stenozeichen)) Dr. Oberndörfer ((Stenozeichen)) klappt es in 14 Tagen mal mit der Küche. Ich lese viel u. lerne Vokabeln. Busch schreibt von ((Stenozeichen)) ab. Ich bin zur Zeit Brotteiler. - Butterbrot u. Ackerhellerkraut schmeckt sehr gut. Das unterer ((?)) Laz. ((vermutlich: Lazarett)) ist bis auf Krätzekranke u. T.B. ((vermutlich: Tuberkulose, gw)) aufgelöst! Heute abend ist Kino, ich bekomme aber wohl keine Karte.

Freitag, 10.8.45. Immer kein Sommerwetter. Nichts Neues ist geschehen. Ich war sehr müde heute.

Sonnabend, 11.8.45. Es ((Stenozeichen)) sonniger, aber jede kleine Wolke regnet. - Japan hat bedingungslos kapituliert, jetzt kann die Friedenst((...?)) starten. Herr Othmer hat heute Geburtstag. Ich habe abends doch einen Schlag Suppe von ihm bekommen. Zucker gab es heute ((Stenozeichen)) 2 Tagen ausgeblieben war. Es gab ihn für 2 Tage nach.

Sonntag, 12.8.45. Ein schöner warmer Tag war heute. Vormittag war ich zum Gottesdienst, den Pfarrer Oehl((...?)) hielt. Nachmittags war Treffen der H((...?)). Ich einen Herrn Jakobs, aus ((...?))dorf bei Peine gebürtig. Abends war im Speisesaal bunter Abend. Er sehr nett.

Montag, 13.8.45. Von 5-6 hatte ich ((Stenozeichen)). Es ist heißes Augustwetter. ((Stenozeichen)). Man ((Stenozeichen)) Abtransport der Invaliden. Ob es angeht? Japan hat doch noch nicht kapituliert. Russ. Wochenschau im Freien angesehen.

Dienstag, 14.8.45. Ebenso heißes Wetter wie gestern. Eine neu aufgestellte Kp. geht heute zum ((Stenozeichen)). Gestern habe ich ((Stenozeichen)). Kasch gab es heute!

Mittwoch, 15.8.45. Heute ((Stenozeichen)) Major-Arzt. Ich ((Stenozeichen)) geschrieben! ((Stenozeichen))! Von OK minus auf I. ((Anscheinend wurde der Tagebuchverfasser vom Major-Arzt für arbeitstauglich befunden, und ersterer wundert sich über den weiten Sprung in der Klassifikation bei der Arbeitsfähigkeit, gw)). Es zu einem Kolchos-Kdo. Am Sonnabend soll es raus gehen. Mit dieser ((Stenozeichen)) Küche sitzen können. Wir haben ((Stenozeichen)).

Donnerstag, 16.8.45. Schönes Wetter ((Stenozeichen)). Ich esse ((Stenozeichen)) Grünzeug. Meine Verdauung ist immer ausgezeichnet! Fingerkraut u. Wegerich u. Kerbel ((...?)) ich jetzt immer noch mit. - Heute bin ich Baracke 4 zur 15. Kp. gegangen. Am Sonnabend soll es abgehen zum Kdo. Wunhert ((?)). Ich spare eben immer Brot. Eine Portion will ich voraus haben.

Freitag, 17.8.45. Viel Gewitter heute. Es hat 225 Zigaretten gegeben heute. 100 habe ich an Richter für 400g verkauft. ((vermutlich: für 400g Brot verkauft. Der Tagebuchverfasser hat bereits häufiger erwähnt, daß er Tabak gegen Brot eingetauscht hat und sprach an einer Stelle von "Tabak-Brot", gw))

Lage des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers 150 Grjasovetz auf der Landkarte von 2013

Sonnabend, 18.8.45. Um 5.00 hieß es 6.30 antreten mit allen Klamotten. Ich hatte schnell gepackt u. meinen ganzen Brot-Vorrat gegessen. Wir ((Stenozeichen)). Unsere Klamotten ((Stenozeichen)) LKW gefahren. Um 12.00 ((Stenozeichen)). 19.30 zum letzten Male. 19.00 marschierten wir ab nach Grasowez. Um 23.00 etwa fuhr ((Stenozeichen)). Wir fuhren mit einem P-Zug. Wenn es doch in die Heimat ginge. Dachten wir alle. Gegen 24.00 waren wir am Ausstiegsbahnhof. Wir hatten noch 3 km zu tippeln. Unterwegs mußten wir noch einen LKW flott machen. - Das Begleitpersonal war korrekt, ohne dawei u. bistre. ((russisch für "los" und "schnell", gw)). Um 2.00 lagen wir auf der Pritsche.

Sonntag, 19.8.45. Ohne Mantel, Decke und Strohsack geschlafen, auf neuen wanzenfreien Pritschen. Um 6.30 aufgestanden. Um 9.00 verzehrten wir 600 g Weißbrot u. 40 g Butter. Wir bekommen ((Stenozeichen)) 40g ((Stenozeichen)) 15 ((Stenozeichen)) 46 ((Stenozeichen)).

Montag, 20.8.45. ((Stenozeichen)) Haferquetschmaschine auseinandergenomen. ((Stenozeichen)) 30m ((Stenozeichen))

Dienstag, 21.8.45. Einen ((...?) mit Kartoffelkasch gab es heute zusätzlich. Abends zum ersten Male 150g Prozentbrot ((gemeint ist vermutlich eine Brotzulage für gute Normerfüllung, gw)). Wir ((Stenozeichen)) Maschine gearbeitet. Das Wetter ist zur Zeit trocken u. warm. Unsere Strohsäcke haben wir heute mit Heu gefüllt. Spektakel mit Hptm Engel heute. Er hat den Kdo-Führer Lt. Branz geohrfeigt.

Mittwoch, 22.8.45. Heute abend hatten 200g Prozentbrot. 8 kg Schweinefleisch u. 5l Milch bekam das Kdo. gestern. Heute haben wir die Drehbank in Betrieb gesetzt. ((Stenozeichen)).

Donnerstag, 23.8.45. ((Stenozeichen)) schnell. Mittags gab es Haferbrei u. Gulasch, tadellos. ((Stenozeichen)) Drehbank gearbeitet. Alles eingerichtet, Stähle geschliffen, Pumpenpleuel repariert ((Der Tagebuchverfasser hatte vor seinem Lehramtsstudium eine Lehre als Feinmechaniker absolviert, welche ihn in der Gefangenschaft in die Lage versetzt, die genannten Arbeiten ausführen zu können, gw)). Die Arbeit macht mir trotz aller Primitivität Spaß. - 200g Prozentbrot, Suppennachschlag. ((Stenozeichen)) abend ((Stenozeichen)) wirklich satt. Habe noch allerhand Brot für morgen. Die 200g ((?)) ((Stenozeichen)).

Freitag, 24.8.45. Trockenes Wetter. ((Stenozeichen)) rasend schnell hin. Ich habe auch Durchfall, manchmal brauche ganzen Tag ((Stenozeichen)). ((Stenozeichen)) Drehbank eine Buchse gedreht. Die Drehbank ((Stenozeichen)) tolles Instrument! Die russ. Mädchen schaben Lager aus u. findamentieren Maschinen.

Sonnabend, 25.8.45. Mit ((Stenozeichen)). ((Stenozeichen)). 2 Stähle sind mir heute abgebrochen. Einen Bolzen ((Stenozeichen)).

Sonntag, 26.8.45. Wir arbeiten nicht heute. Es war ein ((Stenozeichen)). Ich habe meine Gedichte gelesen u. mein Zeug geflickt. - Es regnete. Es gab Kartoffelkasch m. Pfannkuchen. Ich war richtig satt. Ein p((...?)) Essen war es. Nachmittag B.d.O.-Versammlung.

Montag, 27.8.45. Immer noch misseliges Wetter. - Bolzen für Puntze ((?)) gedreht. Die Drehbank läuft jetzt so einigermaßen.

Dienstag, 28.8.45. Es regnet immer noch. Ich habe noch Durchfall. Ein p((...?)) Mittagessen. Kartoffelkasch m. Gulasch. Schweinegulasch! Schmeckte vorzüglich. - Um 17.00 Feierabend. Oberst Sirma ((der Lagerkommandant, wird auch in anderer Literatur über das Lager Grjasowez erwähnt, gw)) ist beim Kdo. u. hält einen Vortrag über den jug. Imperialism. Dann sagte er ferner, daß wir schreiben können! In der nächsten Zeit werden wir Karten zum Schreiben bekommen!!!

Mittwoch, 29.8.45. Buchse für Dampfmaschine gedreht. Ich habe ((Stenozeichen)). Mir gefällt es hier sonst ausgezeichnet. Die ((Stenozeichen)) prima! Alles sehr angenehm. Ofen, Tisch, Bank, alles ist da. Wir rösten unser Brot immer an.

Donnerstag, 30.8.45. Welle für Mischer gedreht. Ich habe mit geknobelt ((?)). Wir bekamen 1/2 l Milch. Ich habe meine in die Mehlsuppe getan, da war es eine tadellose Milchsuppe!

Freitag, 31.8.45. Ich drehe eine Buchse für eine Pumpe. Ab morgen sollen 12 Stunden gearbeitet werden.

Wir wollen ((Stenozeichen)) Zulagen gibt. 12 Std. ((Stenozeichen)). Mittag gab ((Stenozeichen)) Kartoffelbrei. Ich habe jetzt meinen Brotvorrat weggegessen. Flüssige Seife bekamen wir gestern etwas.

Sonnabend, 1.9.45. Das Wetter ((Stenozeichen)). Ab heute ((Stenozeichen)) 12 Std. Was wir ((Stenozeichen)) Zusatz bekommen ((Stenozeichen)). Das Kdo. heute zum Verpflegungsempfang. Lage ((...?)) die Butter ((Stenozeichen)). Der Tag ging besser hin als ich dachte.

Sonntag, 2.9.45. Wir haben heute nur von 7-12.00 gearbeitet, gestern Spektakel mit ((Stenozeichen)), ich sollte ein Loch zu tief gebohrt haben. Heute bekamen wir 1200 g Weißbrot u. 380g Zucker nachgeliefert u. 70g Butter. Da haben wir aber gehabt! Ich habe alle 1200g gegessen u. alle Butter. So gut habe ich als Pleni noch ((Stenozeichen, vermutlich: nie, gw)) gehabt. ((Plenni = russisch für Kriegsgefangener, gw)).

Sonntag, 9.9.45. Ich habe tatsächlich nicht soviel Zeit, mein Büchlein ((...?)) zu füllen von 600 früh bis 1900 abends arbeiten wir. Es ist ein langer Tag. Abends ist es dunkel u. morgens langt die Zeit nicht. Mittags langt sie gerade zum Essen. Wir haben ein ausgezeichnetes, reichliches Essen! Ich werde so richtig satt, voll satt! Esse kein Brot mehr ((...?)). Einen ganzen Beutel voll, meine ersten ((?)) 1500 g habe ich Vorrat. Wir bekamen mal ((?)) Gurken und Zwiebeln. Als Zusatzkost für unsere 11. u. 12. Stunde bekommen wir morgens eine Kartoffel-Kohl-Suppe. Es fehlt nur Fett darin, sonst ist sie ausgezeichnet.

Außerdem 200g Brot so daß ich außer meinen ((...?)) noch 400g habe, das macht sich schon bemerkbar. Prozentebrot ((?)) haben wir fast immer 200g Brot. Mittags gibt es eine anständige reichliche Suppe u. meistens Kartoffelbrei u. Fisch. Kochfisch oder Bratfisch, schmeckt ausgezeichnet. Abends gibt Haferbrei zur Zeit. Am Sonntag - Damentag ((?)) (..?)) unsere Spielgruppe aus dem Lager bei uns. Wir hatten Früh-, Mittags- u. Abendkonzert, sehr schön. Wie habe ich dabei an Hause gedacht. Wenn ich so auf meinem Strohsack ((Stenozeichen)) Bauch. Die Arbeit in ((Stenozeichen)) die ganze Woche an ((Stenozeichen)) Drehbank gestanden. Es ((Stenozeichen)). Die Herren vom Kdo. Wiechert sind am Donnerstag zu uns gezogen. Ihr Zelt stand unter Wasser. Es hat die ganze Woche geregnet, ein furchtbarer Matsch ist! Unser Teich hat Frischwasser. Am Freitag morgen hat es zum ersten Male gereift. Ich habe fast jeden Mittag doppelte Suppenschläge gehabt, ein Kamerad ißt nicht er ist krank. Unsere Unterkunft ist ((...?)lich ((...?)). Ich habe seit, na dem letzten Winter wohl einen Schnupfen. In der Fabrik ist ein elender Zug!

Dienstag, 11.9.45. Seit ((Stenozeichen)) Fett ((Stenozeichen)). Es hat ((Stenozeichen)). ((Stenozeichen)) Part. ((Stenozeichen)) Buchsen.

Sonntag, 16.9.45. ((Stenozeichen)). Das ist ((Stenozeichen)). Die ((Stenozeichen)). Alle die Begebenheit ((Stenozeichen)) durchdenke ich jetzt fast täglich. Die schöne Zeit nach Feierabend. Oft wartete unsere Mutti an einer bestimmten Ecke, oft freute ich mich auf einen Theaterbesuch, dann die ((Stenozeichen)) Abendgymnasiums. ((Stenozeichen)). Ich habe vor allem wieder Buchsen gedreht. Allmählich ((Stenozeichen)) klapprige Drehbank lieb. ((Stenozeichen)). Ich habe noch 2 Nagelfeilen in Angriff genommen. Einen Bilderrahmen u. Nadeln will ich noch machen. Für 50 Zigaretten habe ich 4 Butterbüchsen voll Kartoffeln bekommen. Ich ((Stenozeichen)) eben ((Stenozeichen)). Essen ist ausgezeichnet. Heute gab es Kartoffelbrei m. Bratfisch u. eine Kohlsuppe m. Fleisch. Gestern dasselbe m. Gulasch. ((Stenozeichen)) doppelt ((Stenozeichen)) Lager. Das Wetter hat ((Stenozeichen)) gebessert, heute haben wir sogar Sonnenschein. Vor meinem ((Stenozeichen)) in ((Stenozeichen)) Fabrik soll ich ein Schloß haben, dann kann ich meine Werkzeuge einschließen. Heute ((Stenozeichen)). Nach ((Stenozeichen)) Essen ((Stenozeichen)) Fotografien beschaut, früh schon habe ich meine Gedichte gelesen.

Mittwoch, 19.9.45. Ich schreibe heute abend ((Stenozeichen)) unserer Funzel ((Stenozeichen)). Die Arbeit klappt gut, aber jede Kleinigkeit kann mich ((Stenozeichen)) 15 Jahren! Prozente bekommen wir immer wenig, 101-115, so schwankt es immer. Meine beiden Dreher belasten mich zu sehr. An Rubel, die wir allerdings nicht in die Hand bekommen, verdiene ich mit am meisten. Wir sollen für die Rubel einkaufen können. Es sind schon Kartoffeln, rote u. weiße Rüben gekauft worden. Es ist immer noch mieseliges Wetter. Heute gab es Fischgulasch u. Kartoffelbrei, sehr gut! Heute abend habe ich so 12 Pellkartoffeln, Mehlsuppe u. 200 g Brot gegessen. Ich bin übervoll. Morgen früh habe ich nichts mehr.

Freitag, 21.9.45. Heute ((Stenozeichen)) stark gefroren. Gestern war es schon unangenehm kalt. Die Arbeit klappt. Gestern habe ich K((...?)) nachgedreht. Die Erde ist heute morgen hart.

Sonntag, 23.9.45. Es ((Stenozeichen)) Matsch. Heute morgen schneite es zum ersten Male wurde aber bald ((Stenozeichen)) hell. Wir haben für Iwanowitsch Kartoffeln ausgerodet. 3 km Weg bis Ploskoje ((?)). Der Acker war sehr naß. Wir haben auf einem ziemlich großen Stück nur etwa 13 Ztn. ((Zentner, entspricht 50 Kilogramm, gw)) gerodet. Mittag bekamen wir eine gute Suppe, Brot, Schnaps u. Milch. Iwanowitsch, unser Mechaniker, ist ein fabelhafter Mensch, ihm zu liebe habe ich den Sonntag morgen geopfert. Zu Hause wartete unser Essen. Heute bin ich sehr satt. Nachmittag habe ich meinen Sonntagsstaat angezogen u. habe sehr intensiv die Bilder meiner Lieben betrachtet.

Montag, 1.10.45. Ich finde keine ((Stenozeichen)) Büchlein einzutragen. Nun ((Stenozeichen)). Gestern haben ((Stenozeichen)) gearbeitet. Ursprünglich sollte nur bis 12.00 gearbeitet werden, kurz ((Stenozeichen)) nachmittag auch nacharbeiten sollten. Wir bekamen dafür 400g Brot. Für unsere Mehrarbeit - 12 Std. haben wir jetzt noch 2000g Brot bekommen. Fleisch, Fett oder Milch soll es geben. Ich habe jetzt einen ((Stenozeichen)) Brotvorrat. ((Stenozeichen)) besessen u. abends bin ich rundherum richtig satt. Unser Essen ist ausgezeichnet. Ich habe gegen Zigaretten Rote Rüben, weiße Rüben u. Kohl getauscht. Wir haben fast jeden Abend einen Kohlkopf zu verzehren. Die Mehlsuppe, die wir abends oft bekommen, ist sehr bekömmlich. - Die Arbeit macht mir wirklich Spaß, sie geht ((Stenozeichen)) der Hand. Ich habe diese Woche viel geschafft. Zum ersten Mal Gewinde auf der Bank geschnitten 2 1/2 Zoll, durch Überlegung die Wechsel-Räder herausgefunden. Iwanowitsch war sehr zufrieden. Meine Arbeit ((Stenozeichen)). Eine Buchse von 150m/m Länge u. einem Innendurchmesser von 59 m/m habe ich angefertigt. Heute habe ich 1 Zoll Gewinde mit Gewindeschneider u. Schneideisen geschnitten. Es ((Stenozeichen)). - Am 5. d.M. soll der Betrieb laufen. Ich soll als daher im Betrieb bleiben. Meinen Arbeitsplatz habe ich schon gut eingerichtet. Heute ist zwischen Oberst Sirma ((der Lagerkommandant, gw)) u. dem Direktor der Schnapsfabrik verhandelt ((Stenozeichen)) Winter ((Stenozeichen)). Wir hoffen es alle sehr. Das Wetter ((Stenozeichen)). - Am 28. vor einem Jahr habe ich unserer Mutti den letzten Brief geschrieben. Ich denke sehr viel nach Hause. Wie mag es dort gehen? Wir hören jetzt mehr Nachrichten aus der Heimat. Im Lager kann der Sender Berlin gehört werden.

Dienstag, 2.10.45. Heute ((Stenozeichen)) z.T. Sonnenschein. Wir haben von der Fabrik 6 Tabak bekommen, 60g Brot habe ich eben großen Vorrat. Ich kann es nicht schaffen, obwohl ich gut esse. Die Arbeit klappt. Eine Spindel für ein Ventil gedreht heute ((Stenozeichen)) H((...?))kessel ((Stenozeichen)) gefüllt.

Sonntag, 7.10.45. Ich finde keine Zeit mein Büchlein auszufüllen. Gestern hatten wir frei weil heute der 2. H((...?))-Kessel kommen sollte; er ist aber nicht gekommen. Ich habe viel Dreharbeit. Ventil-Teller, Ventil- Spindel ((...?))buchsen usw. waren zu drehen. Es klappt alles gut. Morgen schneide ich zum ersten Male ((...?))gewinde. - Das Wetter ist schlecht. Heute regnet tüchtig u. es ist kalt dabei. In der Fabrik ist auch sehr ungemütlich. Morgen soll ((Stenozeichen)) angeheizt werden. - Das Essen ist nach wie vor ausgezeichnet. Ich habe oft, fast täglich Kartoffeln neben der Mahlzeit, Brot habe ich genug, bin jeden Abend wirklich satt. Die Küche macht Braten u. Fischgulasch beides ist ausgezeichnet. Jeden Mittag gibt es Kartoffeln m. Fisch, gekocht oder gebraten dazu noch eine Kohlsuppe. Abends gibt es meistens Mehlsuppe. Gestern bekamen wir 450 Zigaretten vom Lager, da habe ich Tauschware. Ich habe keine Zeit, meine Strümpfe zu stopfen. Am Freitag bekamen wir für unsere Mehrarbeit für 10 Tage 95g Butter, 1 Morgensuppe m. Fleisch, doppelte Portion, außerdem für 5 Tage noch eine zusätzliche Mehlsuppe, die Mehrarbeit ist so fürstlich ((?)) bezahlt.

Dienstag, 9.10.45. Heute morgen rauchte ((Stenozeichen)). Um 1200 lief die ((Stenozeichen)) Dampfmaschine. Am Zylinderdeckel ((Stenozeichen)). Meinen Drehbock habe ich ((...?))geschafft. ((Stenozeichen)) Dampf. Ich muß einen Ausr((...?)) anfertigen. Heute hatten wir baden in ((Stenozeichen)) Sauna ((?)). 15 cm ((Stenozeichen)) taut es, Boden((...?)) ((Stenozeichen)).

Freitag, 12.10.45. ((Stenozeichen)) aber tagsüber ist ein furchtbarer Matsch. Heute habe ich von der Küche her einen Stiefel, dem ((Stenozeichen)) Sohle fehlt, verloren. Ich bin ((Stenozeichen)) barfuß ((Stenozeichen)) gewandelt. Vorgestern nacht habe ich durchgearbeitet. Ich mußte eine Walze für die Haferquetsche abdrehen. Etwa 2 Ztr. ((Zentner, gw)) schwer. Gestern morgen um 10 Uhr war ich mit al((...?, vermutlich: allem)) fertig. ((Stenozeichen)) komplizierte Angelegenheit. Her((...?)) ((Stenozeichen)) auch angeheizt. Vorgestern Nacht habe ich tüchtig Kartoffeln gekocht. Heute abend bin ich rundherum satt. 100g Brot habe ich außer meiner Suppe noch gegessen. Für die Nachtarbeit habe ich 600g Brot extra bekommen. Es sollen noch 40 Mann hierherkommen.

Dienstag, 16.10.45. Es ((Stenozeichen)) Winter geworden. Der Schnee bleibt liegen u. es friert. Tagsüber ist ((Stenozeichen)) Matsch. Gestern habe ich ((Stenozeichen)) 3.00 ((Stenozeichen, wahrscheinlich: gearbeitet, gw)). Habe aber nichts geschafft, denn alle Stähle waren stumpf u. zum Schleifen war kein Licht da. Heute bin ich dann gut mit der Arbeit, ein Sicherheitsventil f. den Dampfkessel gut ((Stenozeichen)). Für ((Stenozeichen)). Bei 2 Atm. ((Atmosphärenüberdruck, gw)) ((Stenozeichen)) normal kein ((...?)) Dampf durch ((Stenozeichen)) Deutschland-UdSSR soll lt. Radio-Meldungen aufgenommen. Heute abend fängt in ((Stenozeichen)) Produktion an.

Montag, 22.10.45. Seit Freitag, 19.10. läuft ((Stenozeichen)) Sprit((?)), die Fabrik arbeitet, wenn es auch noch an allen Ecken und Enden fehlt. Ich arbeite oft bis tief in die Nacht hinein. An einen S((...?))stutzen waren Gewinde einzuschneiden. Von 11 Gängen waren 8 Gänge zu machen.

Eine schwierige Angelegenheit bei den toten ((?)) Gängen der Spindeln. Es ist aber gut gelungen. Gestern habe ich nur bis Mittag gearbeitet. Einen freien Tag habe ich immer noch gut. - Der Tag der Gefangennahme hat sich am Freitag gejährt. Es geht mir heute doch gut. Unser Essen ist reichlich und gut. Ich bin immer richtig satt. Brot habe ich ((Stenozeichen)) 1000g im voraus((?)). Es ist richtiger Winter, kalt u. 110 cm Schnee. Bei dem Wetter ((Stenozeichen)) Kartoffeln gebuddelt und gemacht((?)). 10-12 ha ((Hektar = 10.000 Quadratmeter, gw)) sind noch zu roden. Die Arbeit macht mir Freude trotz aller Schwierigkeiten.

Sonnabend, 27.10.45. Vorgestern hatte unser Utalein, gestern hatte ich Geburtstag. Wie schön wäre es daheim gewesen. ((Stenozeichen)).

Donnerstag, 8.11.45. ((Stenozeichen)). Gestern u. heute hatten wir ((Stenozeichen, wahrscheinlich: wegen der, gw)) Red((...?))ut.-Ferien((?)) frei, eigentlich 9((?)) Tage aber wir Mechaniker mußten arbeiten. ((Stenozeichen)) Arbeit ((Stenozeichen)). ((Stenozeichen)) Betriebsversammlung kam unser Verdienst heraus. Mit 392 Rubel war ich der Beste. Der Betrieb hat wegen Holzmangel einige Tage gestanden. Heute geht es mal ((Stenozeichen)). Es ((Stenozeichen)) Schnee u. Kälte. ((Stenozeichen)) gab es ((Stenozeichen)).

Iwan Iwanowitsch ist nicht mehr ((Stenozeichen)) neue Unterkunft kalt u. dunkel, ((...?)) ungemütlich. Ich habe viel, viel nach Hause gedacht. Unser Essen nach wie vor gut. ((Stenozeichen)) immer noch Kartoffeln. Jeden Tag werde ich mehr als satt.

Dienstag, 20.11.45. Alle Tage viel Arbeit. Es ist harter Winter. Die Fabrik läuft eben gut. Ich habe eine schwierige Arbeit eben. Eine Mutter Flachgewinde für einen Schraubstock mache ich. 100 m/m lang. Eine schwierige Angelegenheit. ((Ende der Eintragungen des zweiten Tagebuchbandes aus russischer Kriegsgefangenschaft. gw))

Kategorie: Erinnerungen von Kriegsgefangenen | Hinzugefügt von: Anatoli
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